Ben Nink: Von der U13 bis zu den Profis

Profi-Debüt, jüngster Startelf-Debütant des SVWW und Torschütze für die deutsche U18-Nationalmannschaft: In den letzten Monaten ging es für den 17-Jährigen Ben Nink von einem besonderen Moment zum nächsten. Zeit, den bisherigen Weg des Talents mit ihm noch einmal Revue passieren zu lassen.
Als der SV Wehen Wiesbaden vor knapp sechs Jahren einen gewissen Ben Nink in der U12 des JFV Dietkirchen/Offheim scoutete, ahnte wohl noch niemand, dass dieser bei den Profis eines Tages der jüngste Startelf-Debütant der rot-schwarzen Vereinsgeschichte werden würde. Doch der Innenverteidiger wusste schon damals zu überzeugen. Nach einem Probetraining war klar, dass Nink zukünftig für die U13 des SVWW auflaufen würde. „Ich war schon damals ambitioniert und habe auch damals schon abseits der Einheiten im Verein trainiert“, blickt Nink auf seine Anfänge zurück.
Erstes Profitraining mit 15 Jahren
Der Fleiß sollte sich bezahlt machen. Bereits mit 15 Jahren durfte das NLZ-Talent erstmals bei den Profis mittrainieren. Ausschlaggebend war ein von Nils Döring betreutes Spiel des SVWW-Förderteams, in dem Nink zu überzeugen wusste. „Das war ein unglaubliches Gefühl der Bestätigung“, erinnert sich der Verteidiger. „Nils hat meine Eltern angerufen und von da an war ich zweimal pro Woche im Training dabei. Anfangs war es noch schwer, einen Zweikampf zu gewinnen. Mit der Zeit hat sich das aber gelegt.”
Reibungslos lief auch die Integration ins Team. „Ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt und viel von den anderen Verteidigern gelernt. Teilweise haben sie mir auch nach dem Training noch Tipps gegeben und mich ermutigt, wenn mal etwas nicht so gut gelaufen ist”, erklärt Nink.
Erster Profi-Einsatz
Fortan begann der Balanceakt zwischen Schule und Fußball. Dazu gehörte auch, die Schule zu verlassen, während andere in den Unterricht mussten und den Stoff abends nachzuholen. „Meine Freunde haben sich alle für mich gefreut und auch meine Familie hat mich immer unterstützt“, gibt Nink Einblicke in die damalige Zeit.
Im Dezember 2023 stand Ben dann in der Zweitliga-Partie beim FC St. Pauli erstmals im rot-schwarzen Profikader. Etwas mehr als ein halbes Jahr später am 10. August 2024 folgte dann beim 1:0-Heimerfolg über den F.C. Hansa Rostock 17 Minuten vor Spielende das Profi-Debüt. „Ich wusste, dass der Zeitpunkt irgendwann kommen würde“ erzählt der Innenverteidiger. „In dem Moment habe ich pures Glück empfunden. Nach dem Spiel, als ich alles realisiert habe, wurde ich auch sehr emotional.“
An die Worte von Döring kann sich Nink noch gut erinnern: „Er hat mir gesagt, dass ich das Spiel genießen soll, dass er mir komplett vertraut und dass, wenn ich mein Spiel spiele, ich Erfolg haben werde“. Nur sechs Tage später kam Nink erneut zum Einsatz. Diesmal über gleich 40 Minuten, beim Stand von 1:1 in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Mainz 05. „Das war ein weiterer sehr besonderer Moment.“
Jüngster Startelf-Debütant des SVWW
Am 7. März 2025 war es dann so weit: Durch seinen Startelfeinsatz in der Partie beim VfL Osnabrück avancierte Nink im Alter von 17 Jahren, acht Monaten und drei Tagen zum jüngsten Startelf-Debütanten der rot-schwarzen Vereinsgeschichte. „Vor der Kulisse in Osnabrück zu starten, dann auch noch mit der Choreo beim Einlaufen, war unbeschreiblich. Ich hätte mir die Atmosphäre nicht besser vorstellen können.“ Rund eine Stunde später bereitete der als rechter Schienenspieler eingesetzte Nink dann noch das entscheidende 1:0 von Thijmen Goppel vor. „Als ich den Ball gespielt habe, hatte ich direkt ein gutes Gefühl. Ich habe dann nur noch gehofft, dass Thijmen ihn reinmacht“, blickt Nink auf die Szene zurück. „Nach dem Spiel habe ich sehr viele Nachrichten bekommen. Es war ein schönes Gefühl, wie viele Leute sich gemeldet und mich unterstützt haben.“
Aus Zahlen und Rekorden macht Nink sich jedoch nicht so viel. „Natürlich ist es etwas Besonderes, der jüngste Startelf-Debütant des Vereins zu sein. Zahlen sind mir aber generell nicht so wichtig.“
Länderspielreisen mit dem DFB
Neben seinem Durchbruch im Verein stehen mittlerweile auch zehn Länderspiele zu Buche, die Nink für die deutsche U17 und U18 bereits bestritten hat. „Es ist eine sehr große Ehre für Deutschland zu aufzulaufen und einer von elf Spielern zu sein, die das Land repräsentieren“ betont Nink.
Dabei wurde der Innenverteidiger im Februar 2024 zunächst lediglich auf Abruf für die DFB-U17 nominiert. Erst am letzten Tag vor dem Lehrgang erfuhr der damals noch 16-Jährige von seiner erstmaligen Berufung. „Ich wurde aus dem Mittagsschlaf gerissen“ erzählt Nink. „Zuerst war ich noch ein bisschen verwirrt, wer mich da anruft. Dann habe ich es sofort meinen Eltern erzählt und alle waren sehr glücklich.“
Mehr als ein Jahr später im März 2025 folgte der nächste Meilenstein in seiner DFB-Karriere. Beim 1:1 der U18 gegen Österreich köpfte der gebürtige Limburger die deutsche Elf mit seinem ersten Länderspieltreffer zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung. „Ich habe beim Eckball direkt gespürt, dass ich ein gutes Timing habe und mich gut vom Gegenspieler lösen kann. Als ich den Ball dann getroffen habe, wusste ich direkt, dass er reingehen wird. Das war pure Freude.”
Abitur vor Augen
Seit Sommer lebt Nink in Wiesbaden in einer WG, muss selbst putzen und kochen. Viel Freizeit bleibt da neben Schule und Fußball manchmal nicht. „Wenn ich mal einen Abend oder zwei Stunden frei habe, versuche ich die Zeit gut zu nutzen. Ich hänge dann nicht am Handy oder schaue mir einen Film an, sondern mache etwas mit meiner Familie oder Freunden.“ Für das nächste Jahr hat der Zwölftklässler dann das Abi im Blick und auch sportlich hat der 17-Jährige klare Vorstellungen. „Ich möchte da weitermachen, wo ich vor der Länderspielpause aufgehört habe. Mein Ziel ist es, weiterhin Spielzeit zu bekommen, noch mehr Startelf-Einsätze zu sammeln und mich individuell weiterzuentwickeln.“
Das vollständige Interview mit Ben Nink gibt es hier: