„An die eigene Chance glauben“
Einen Tag vor der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals spricht der SV Wehen Wiesbaden mit einem alten Bekannten: Ronny König. Der ehemalige Stürmer spielte von 2006 bis 2009 für die Rot-Schwarzen, stieg 2007 mit dem SV Wehen in die 2. Bundesliga auf und kennt den Pokal wie kaum ein anderer. In der Saison 2008/09 erreichte er mit dem SVWW das Viertelfinale des DFB-Pokals und weiß, was es bedeutet, gegen namhafte Gegner über sich hinauszuwachsen. Im Interview blickt König auf die erfolgreiche Pokalsaison zurück, erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen und erinnert sich an besondere Momente innerhalb der Pokalreise.
Ronny, am Samstag startet der SV Wehen Wiesbaden gegen Bayer 04 Leverkusen in den DFB-Pokal. Du kennst diesen Wettbewerb aus eigener Erfahrung sehr gut. Wenn wir zurück ins Jahr 2008 blicken: Ihr seid damals in der ersten Runde gegen den SV Darmstadt 98 gestartet und habt mit 2:0 gewonnen. Worauf kommt es deiner Meinung nach gerade in der ersten Pokalrunde an?
„Damals waren wir der Favorit. Gegen einen unterklassigen Gegner ist es immer wichtig, zunächst kein Gegentor zu kassieren und möglichst früh in Führung zu gehen. So verhindert man, dass beim Gegner eine richtige Pokal-Euphorie aufkommt. Man muss ihm von Anfang an den Zahn ziehen.“
Der DFB-Pokal ist jedes Jahr ein besonderes Highlight. Was macht für Dich den Reiz dieses Wettbewerbs aus?
„Der DFB-Pokal ist so besonders, weil in 90 oder 120 Minuten einfach alles möglich ist. In zehn Spielen gewinnt der Favorit neunmal. Aber im Pokal gibt es eben dieses eine Spiel, in dem der Underdog die Überraschung schafft. Genau das macht den Wettbewerb aus.“
In der zweiten Runde seid ihr mit Alemannia Aachen auf einen direkten Konkurrenten aus der Liga getroffen. Du hast in der 72. Minute das entscheidende 1:0 erzielt. Erinnerst du dich noch an diesen Moment?
„Daran erinnere ich mich tatsächlich noch sehr gut. Ich hatte zuvor in der Liga lange nicht getroffen, obwohl ich einige Chancen hatte, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Im Pokal war es dann ein relativ einfaches Tor, aber trotzdem ein sehr wichtiges. Bakari Diakité hatte die Flanke geschlagen und ich musste aus drei Metern nur noch den Kopf hinhalten. Für mich persönlich war es sehr schön, nach längerer Zeit endlich wieder getroffen zu haben.“
Auch im Achtelfinale gegen den damaligen Bundesligisten Karlsruher SC habt ihr mit 1:0 gewonnen und wieder warst du mit dem entscheidenden Tor zur Stelle. Was geht einem als Spieler in so einem Moment durch den Kopf, wenn man weiß: Dieses eine Tor hat über das Weiterkommen entschieden?
„Das Tor war natürlich extrem wichtig und hat ein super Gefühl hinterlassen, gerade weil es eine echte Sensation war. Wir waren zu der Zeit, im unteren Drittel der 2. Bundesliga vertreten. Deshalb hatte niemand wirklich auf uns gesetzt. Trotzdem haben wir an uns geglaubt und die Chance genutzt. Das hat im Pokal einfach funktioniert.“
Ihr seid damals bis ins Viertelfinale gekommen und dort gegen den Hamburger SV nur knapp mit 1:2 ausgeschieden. Was ist dir von dieser besonderen Reise vor allem in Erinnerung geblieben?
„Im Pokal lief es für uns in dieser Saison wirklich gut. Wir konnten in der Liga nur wenige Erfolge feiern, da war der DFB-Pokal etwas Besonderes für uns. Ich erinnere mich bis heute gerne an diese Erfolge zurück. Gleichzeitig bleibt aber auch die Erinnerung daran, dass es im Liga-Alltag nicht gut lief. Doch auch das gehört im Fußball dazu. Der Pokal darf in einer Saison nicht das Wichtigste sein, aber natürlich ist es schön, wenn er am Ende das i-Tüpfelchen auf eine Saison setzt.“
Der SVWW trifft am Samstag mit Bayer Leverkusen auf einen klaren Favoriten. Gleichzeitig hat der Pokal schon unzählige Male gezeigt, dass vermeintlich kleinere Mannschaften über sich hinauswachsen können. Wie wichtig ist es gegen einen Favoriten, von Beginn an mutig aufzutreten und nicht zu viel Respekt zu zeigen?
„Das ist extrem wichtig. Man darf keine Angst haben. Gerade in der ersten Pokalrunde kann es ein Vorteil sein, wenn man schon im Liga-Betrieb ist und der Gegner sein erstes Pflichtspiel bestreitet. Der Favorit muss dann erst einmal herausfinden, wo er steht. Gerade nach den ersten beiden Ligaspielen, die nicht so gut gelaufen sind, ist so ein Pokalspiel vielleicht genau das richtige. Man hat nichts zu verlieren.“
Was würdest du der Mannschaft für das Spiel gegen Leverkusen mit auf den Weg geben?
„Mutig nach vorne spielen und an die eigene Chance glauben. In 90 oder vielleicht auch 120 Minuten ist alles möglich, auch gegen einen Bundesligisten.“
Zum Abschluss noch: Was ist Dein Tipp für Samstag?
„Ich bin natürlich für den SVWW und sage: 2:1 nach 90 Minuten.“
Tickets für die Partie gibt es hier.



